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Wie Pleasing zu Selbstsabotage führt

Manchmal passt man sich an den Willen anderer an, um Harmonie zu haben. Doch Pleasing kann uns selbst sabotieren und unglücklich stimmen. 


Was ist People Pleasing? 

Ein People Pleaser ist jemand, der den Wünschen anderer Vorrang gewährt und hofft, dadurch Anerkennung zu erhalten. Für das eigene Umfeld ist es natürlich angenehm, wenn die Bedürfnisse befriedigt sind, man geht größeren Konflikten aus dem Weg und pflegt so die Harmonie. Auch bleibt es aus, dass sich jemand beschweren kann, dass man die falsche Entscheidung getroffen oder Richtung vorgegeben hat, und erleidet demnach keine Konsequenzen in Interaktionen.
Über den zwischenmenschlichen Aspekt hinausgeschaut, ist People Pleasing der Stützpfeiler moderner Gesellschaften, in denen Anpassung mit Zuwendung und Anerkennung belohnt und Widerstand mit Ausgrenzung bestraft wird, wir würden ohne Folgsamkeit in einer sozialen Ordnung nicht bestehen, sie hilft uns, Zugehörigkeit zu finden und gibt uns eine Richtung des Verhaltens vor.

Was sind die Ursachen von Pleasing?

In einer tieferen Metaebene kommt es dann zu People Pleasing, wenn ein Individuum in frühen Jahren die Prägung erhalten hat, dass es nur Zuwendung bekommt, wenn es den Wünschen des beispielsweise Sorgeberechtigten gerecht wird. Dies ist besonders in Konflikt- und gewaltreichen Haushalten der Fall. Doch nicht nur in diesen, auch Haushalte, in denen dieser Pleaser Verhaltenskodex herrscht und in dem Harmonie über Autonomie gestellt wird, lernen Kinder in frühen Jahren, dass es sozial erwünscht ist, wenn sie sich nach den Bedürfnissen der Umwelt verhalten.

Die Wurzel des Pleasings ist eine Angst vor Ablehnung durch andere Menschen; wir vermeiden durch unsere Gefügigkeit den Konflikt mit anderen und erhalten dadurch ihr Wohlwollen. Doch Pleaser sind nicht nur Opfer, betrachten und hinterfragen wir genauer, erkennen wir, dass auch Pleasing eine Form der Kontrolle ist. Indem wir anderen geben, was sie wollen, verhindern wir ihren Unmut, geben keine Angriffsfläche, und verhindern so negative Konsequenzen oder gar verlassen zu werden.

Eine weitere Ursache kann darin bestehen, dass wir ein zu geringes Selbstbewusstsein haben und uns nicht trauen, für unseren eigenen Willen einzustehen. Wir stellen den anderen auf ein Podest und setzen uns selbst herab, erfüllen wir die Bedürfnisse anderer, gewinnen wir dadurch die Absolution, etwas wert zu sein. Wir arbeiten für die Liebe und Anerkennung anderer.



Was passiert beim Pleasing?

Im Grunde setzen wir uns eine Maske auf, wir geben vor, mit dem Willen anderer einverstanden zu sein und spiegeln ihre Bedürfnisse. Diese Anpassung verhindert, dass wir sozial sanktioniert werden: Frauen, die pleasen, vermeiden es, als „zickig“ oder „hysterisch“ zu gelten, und erreichen durch Pleople Pleasing, dass sie die Sorgearbeit um andere übernehmen und Männer gelten als Teamplayer, und werden sozial und monetär belohnt und anerkannt, wenn sie sich dem Willen anderer fügen. Gerade in unserem Schul- und Arbeitsumfeld erleben wir, dass wir nur bestehen können, wenn wir uns anpassungsbereit zeigen und die Wünsche anderer erfüllen. Wir bringen uns selbst jedoch dabei um die Erfahrung, uns zu behaupten und um unserer selbst Willen gemocht zu werden. 

Darüber hinaus nehmen wir unserem Gegenüber die Chance, wirklich den Menschen zu kennen, der wir im Inneren sind. Indem wir uns nach dem Willen anderer ausrichten, sabotieren wir unseren Selbstkontakt, wodurch wir unser eigenes Dasein vernachlässigen. Tun wir dies über einen sehr langen Zeitraum, kann sich eine Art Unzufriedenheit und innere Leere einstellen, da wir nicht als die Person gesehen werden, die wir sind. Wir werden zum Spielball des Willens anderer und stehen unter ihrer Kontrolle. Achtung, jetzt eine Trigger-Warnung, aber so kann es geschehen, dass wir im Job in den Burnout rutschen, weil wir uns ein Bein ausreißen für die Anerkennung des Chefs oder aber in unseren Liebesbeziehungen eines Tages realisieren, dass wir uns komplett selbst verloren haben, weil wir uns niemals fragen, was wir denn in der Beziehung brauchen. 

Andere konstant zu pleasen, mündet in Selbstverlust und Selbstaufopferung, wir sehen uns vielleicht als selbstlos an und können das eigene Verhalten als tugendhaft werten, und doch sollten wir uns selbst die Frage stellen, ob wir uns denn trauen würden, bei einer Interaktion auch mal auf die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse zu beharren?



Wie kann man neue Perspektiven bilden statt ins People Pleasing zu verfallen?

Die Basis des menschlichen Miteinanders ist es, dass der Wille jedes Einzelnen gleichwertig ist. Erfahren wir im Miteinander „Sanktionen“ dafür, dass wir unsere Meinung oder unsere Bedürfnisse formulieren, so entbehrt unsere Beziehung der Tiefe oder psychologischen Sicherheit. Drohende Diskriminierung und fehlende Pluralität, sollten uns nicht davon abbringen, unserem eigenen Willen eine Bedeutung beizumessen.

Unabhängig davon, dass man sich das Leben einfacher macht, wenn man nicht aneckt und weniger Konflikte hat, so ist die Kehrseite doch, dass man sich selbst der Selbstbehauptung im Leben beraubt und dem anderen der Möglichkeit, im Miteinander zu wachsen und zu lernen und die eigene Persönlichkeit zu reifen. Es wird dadurch blockiert, dass verschiedene Perspektiven eröffnet und möglich werden.

Die Wahrheit ist, dass unsere Gesellschaft und auch wir selbst, vom ehrlichen, respektvollen Austausch profitieren, der die Wünsche aller einbezieht und in die Lösung integriert; nur so kann Veränderung und Verbesserung geschehen, denn die Meinung eines jeden ist wichtig. Wenn es darum geht, ein friedvolles Miteinander zu kultivieren, ist der Selbstausdruck jedes Individuums entscheidend für die Qualität eines Sozialgefüges.


Foto Credits | Deckblatt-Foto von Ryunosuke Kikuno auf Unsplash | Foto 1 von Taras Chernus auf Unsplash | Foto 2 von Kato Blackmore auf Unsplash

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